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Ein Déjà-Vu – nur um den Faktor X multipliziert

Schlimme Szenarien und dankbare Menschen: 19 Feuerwehren aus Rottal-Inn helfen im Hochwasser-Krisengebiet in Rheinland-Pfalz

Eggenfelden. Fünf Tage lang waren Feuerwehren aus dem Landkreis in den Hochwassergebieten im Ahrtal im Einsatz. 19 Wehren, 31 Fahrzeuge und 120 Einsatzkräfte leisteten Hilfe. "In manchen Orten gibt es kaum eine Familie oder Nachbarn, die kein Todesopfer zu beklagen hatten", blickt Kreisbrandrat René Lippeck auf den Einsatz zurück.

Es war Freitag vor einer Woche, als den Landkreis Rottal-Inn der Hilferuf erreichte. Das Lagezentrum Bayern des Innenministeriums stellte ein Hilfskontingent für Rheinland-Pfalz zusammen – mit 450 Einsatzkräften aus den Landkreisen Cham, Neustadt an der Waldnaab und Rottal-Inn. Es sollte nach Bad Neuenahr/Ahrweiler, Dernau, Marienthal und Mayschoß gehen – Orte, deren Bilder nach der Katastrophe in den Medien waren.

Zwei Tage Kellerauspumpen in einem Pflegeheim

Und doch war es für die Einsatzkräfte ein Schock, als sie das tatsächliche Ausmaß sahen: "Dort herrscht eine unglaubliche Zerstörung. Nicht nur bei den Wohnhäusern, sondern auch bei der Straßen- und Verkehrsinfrastruktur. Überall sieht man haushohe Schutt- und Sperrmüllberge – und trifft auf Schicksale über Schicksale", erzählt Lippeck. Die Flut 2016 im Landkreis Rottal-Inn hatte die Einsatzkräfte schon über ihre persönlichen Grenzen hinaus gefordert – "für sie war dieser Einsatz wie ein Déjà-Vu – nur um den Faktor X multipliziert."

Per Vorauskommando waren Kreisbrandrat René Lippeck und Kreisbrandmeister Stefan Niedermeier noch am vergangenen Freitagnachmittag ins Ahrtal aufgebrochen. Sonntagfrüh kamen die Feuerwehren nach: Aus Altersham, Anzenkirchen, Arnstorf, Bad Birnbach, Eggenfelden, Falkenberg, Hebertsfelden, Hofmark Gern, Kirchdorf, Massing, Mitterskirchen, Nöham, Pfarrkirchen, Reichenberg, Schmiedorf, Simbach, Staudach, Tannenbach, Triftern und Wolfsegg, dazu Kreisbrandrat René Lippeck, Kreisbrandinspektor Anton Eichlseder, Fach-Kreisbrandmeister Heiko Schedlbauer, Kreisbrandmeister Stefan Niedermeier und Kreisbrandmeister Alexander Noneder. Unterstützung gab es außerdem von der Örtlichen Einsatzleitung des Katastrophenschutzes des Landkreises Rottal-Inn, dem BRK-Kreisverband Rottal-Inn mit einem Rettungswagen sowie einer schnellen Einsatzgruppe Betreuung/Verpflegung mit Feldküche, jeweils zur Versorgung der eigenen Einsatzkräfte. Denn untergebracht waren die Feuerwehrler in einer ehemaligen Kaserne. Das Gebäude bot zwar Schutz vor Regen und Kälte, doch Strom und Wasser gab es nicht.

Mit Kommandowagen wurden die zugewiesenen Einsatzgebiete erkundet, der Einsatzleitwagen stellte permanent die Verbindung und Kommunikation des Feuerwehr-Hilfeleistungskontingents aus dem Landkreis zu den Einsatzleitungen der übergeordneten

Einsatzabschnitten im Schadensgebiet sicher. Drei Tanklöschfahrzeuge der Wehren aus Simbach, Reichenberg und Eggenfelden waren vor Ort, diese waren durchgehend an die Feuerwache in Bad Neuenahr/Ahrweiler zur Löschwasserversorgung abkommandiert: "In den vom Hochwasser betroffenen Stadtteilen wurden die Wasserleitungsnetze durch die Fluten zerstört. Hier arbeiteten unsere Einsatzkräfte mit einem Löschzug aus Baden-Baden zusammen. Zudem wurde frisches Brauchwasser zu den betroffenen Bürgern der Stadt transportiert", erklärt René Lippeck.

Zwei Wochen ist das verheerende Hochwasser nun her. Während die Bilder langsam aus den Medien verschwinden, ist die Situation vor Ort immer noch fatal. Ein Beispiel: "Zwei Tage lang war der Versorgungs-Lkw mit unserem Mobilen-Gerätesatz-Hochwasser bei Abpumparbeiten in einem überfluteten Keller eines Alten- und Pflegeheimes im Einsatz." Dort stand das Wasser zwei Wochen nach der Katastrophe noch immer bei 1,80 Metern. Die 450 Bewohner des Heims waren rechtzeitig evakuiert worden.

Und doch: "In manchen Orten gibt es kaum eine Familie oder Nachbarn, die kein Todesopfer zu beklagen hatten. Man spürt die Leere in den Augen der Menschen nach diesem schrecklichen Ereignis", sagt René Lippeck. Was die Menschen dort jetzt brauchen sei Unterstützung und Hilfe sowie Solidarität – "der ganzen Nation". So waren auch die Helfer aus dem Landkreis vornehmlich mit Anpacken und Helfen beschäftigt, pure Muskelkraft war gefragt, während die drei Wechselladerfahrzeuge mit Mulden zum Abtransport von Schutt, Sperrmüll und Schlamm eingesetzt wurden.

Eine Herausforderung für alle Einsatzkräfte, denn das betroffene Gebiet erstreckt sich auf eine Fläche von 20 x 4 Kilometer, vielerorts gibt es keine Straßen mehr. "In der Stadt Bad Neuenahr/Ahrweiler mit ihren rund 30000 Einwohnern gibt es nur noch eine halbwegs intakte Brücke, die den Nord- mit dem Südteil der Stadt verbindet. Auch die Bundesstraße B267, die eigentlich die einzelnen Ortschaften verbindet, ist zum Teil zerstört und nicht mehr passierbar. Orte, die eigentlich nur drei oder vier Kilometer voneinander entfernt sind, mussten über Umwege von bis zu 30 Kilometern angefahren werden."

Lippeck habe schockiert, dass "es in dieser schrecklichen Notlage Menschen gibt, die durch ihre Gesinnung die Notlage der betroffen Menschen ausnutzen und diese durch diverse Aktionen verunsichern oder gar schädigen. Auch wir wurden von der Einsatzleitung und Polizei vor Ort informiert und auf Beachtung hingewiesen, dass Türen von Betroffenen und zum jetzigen Zeitpunkt unbewohnbaren Häusern mit irgendwelchen Gaunerzinken und Markierungen gekennzeichnet wurden, um auszukundschaften, ob hier möglicherweise noch was zu holen ist, wenn die Bewohner nicht vor Ort sind."

Für die Helfer war es ein psychisch herausfordernder Einsatz. "Unsere Feuerwehrfrauen und -männer sowie unsere Sanitäts- und Versorgungseinheit des BRK-KV Rottal-Inn haben in diesen Tagen Unglaubliches geleistet und auf sich genommen. Auch stärken und festigen derartige Ereignisse die Kameradschaft untereinander – aber auch organisationsübergreifend", betont Lippeck. "Man hat es bereits 2016 bei uns im eigenen Landkreis gesehen, dass der Mensch derartige Naturgewalten nicht oder nur sehr schwer, sei es durch Schutzbauten oder dergleichen, beeinflussen oder steuern kann." Und doch bleibt bei all der Routine am Ende etwas vom Einsatz zurück.

"Das macht unsere Arbeit aus"

"Das zu verarbeiten, da hat jeder hier so seine eigene Strategie. Manche suchen das Gespräch mit den Kameraden, Freunden oder zu Hause in der Familie. Andere wiederum benötigen vielleicht auch nur einen Moment der Stille für sich." Bereits bei der Einweisung der Einsatzkräfte hatte man diese auf die Szenarien, die sie erwarten, vorbereitet. "Auch die Einheitsführer waren angehalten, auf ihre Mannschaft zu schauen und gegebenenfalls das Gespräch zu suchen. Und natürlich steht den Frauen und Männern im Nachgang Psychosoziale Notfallversorgung zur Verfügung."

Mittwochnacht kehrten die Einsatzkräfte nach Hause zurück, erschöpft, mitgenommen – und doch zufrieden. Und die Menschen waren dankbar, sagt Lippeck: "Die sichtliche Freude und Erleichterung der betroffenen Menschen für den Moment, wenn wir ihnen nach dieser langen Zeit geholfen haben – das macht unsere Arbeit aus."

Quelle: PNP / Doris Kessler


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Ebenfalls erleichtert werden wieder Veranstaltungen.
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Konkret bedeutet dies: bei einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 dürfen sich bis zu 25 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 50 Personen unter freiem Himmel treffen.
Wird die 7-Tage-Inzidenz von 50 nicht überschritten erhöht sich die Zahl auf bis zu 50 Personen in geschlossenen Räumen und bis zu 100 Personen unter freiem Himmel. Geimpfte und/oder genesene Personen werden nicht mitgezählt.

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